
In Holz baden
Die neue Trainingsschwimmhalle in der Wiener Großfeldsiedlung hat nicht nur den Holzbaupreis der Stadt Wien erhalten, sie ist auch für den EU Mies Award nominiert. Damit zählt der Neubau zu den 40 besten Bauten in Europa.
Die Wiener Bäder haben eine lange Tradition. Was gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit städtischen Badeanstalten, den sogenannten Tröpferlbädern, begann, entwickelte sich zu einer ansehnlichen Bäderlandschaft. Heute gibt es in Wien 38 Frei- und Hallenbäder, die auf 24.228 Quadratmeter Wasserfläche, eine Gesamt-Rutschenlänge von 718,4 Meter und viereinhalb Millionen Besucher pro Jahr kommen. Mit der Bäderstrategie 2030 investiert die Stadt rund 115 Millionen Euro in die Aufwertung bestehender Bäder sowie in den Neubau von fünf weiteren Schwimmhallen. Eine davon ist die Trainingsschwimmhalle, die das Kombibad aus den 1980er-Jahren in der Wiener Großfeldsiedlung erweitert. Der Holzbau von illiz Architektur hat es nun auf die Shortlist der EU Mies Awards 2026 geschafft.

Unter den 40 nominierten Projekten befinden sich auch Dorte Mandrups neuestes Holzbauprojekt, das Centre for Health, sowie die Verwandlung einer Kopenhagener Asphalt- in eine Parklandschaft von SLA. Mit der neuen Schwimmhalle stärkt Wien nicht nur seine sportliche Infrastruktur. Das Projekt ist auch ein Plädoyer für intelligente Nachverdichtung und ökologische Verantwortung im städtischen Kontext.
Nachverdichtung auf dem Parkplatz
So wie das Hallen- und Freibad in der Großfeldsiedlung, so wird auch das baugleiche Bad in Simmering teilsaniert. Auch dieses wird eine neue Schwimmhalle aus Holz für den Schul- und Vereinssport bekommen. „Dabei soll bei möglichst geringem Flächenverbrauch und unter Anwendung nachhaltiger Konstruktionen und Technologien ein prototypischer Neubau beide Standorte in Bezug auf Betrieb, Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität zeitgemäß aufwerten“, heißt es vonseiten des Büros illiz architektur, das 2008 von Sabrina Mehlan, Petra Meng und Stefanie Wögrath gegründet wurde.

Da innerstädtische Flächen ein kostbares Gut sind, platzierte man die neue Leopoldauer Schwimmhalle auf dem Parkplatz. Damit nutzt man eine bereits erschlossene Fläche und musste für den rund 2.100 Quadratmeter großen Neubau keine Grünflächen versiegeln.
Zwei Brücken verbinden Alt und Neu
Die Planerinnen und Planer entwickelten eine freistehende, dreigeschossige Halle, die über zwei freitragende Brücken an den Bestand andocken.
Zwischen Alt- und Neubau entsteht eine grüne Gasse, welche die Wege zum Hallen- und Sommerbad bündelt.
illiz architektur
„Zwischen Alt- und Neubau entsteht eine grüne Gasse, welche die Wege zum Hallen- und Sommerbad bündelt und die Besucher intuitiv zum neuen Haupteingang unter den Brücken leitet“, heißt es in der Projektbeschreibung.

Die geschosshohe Verglasung im Eingangsbereich macht die Erschließung für die Besucher auf den ersten Blick verständlich. Die skulpturalen Holztreppen weisen den Weg in die beiden Obergeschosse und machen den konstruktiven Holzbau schon von außen sichtbar. Den Badegästen eröffnet die Wegführung durch Neu- und Altbau immer neue Perspektiven: „Foyers, Wartebereiche, Brücken und Schwimmhallen sind visuell miteinander verwoben.“
Ein sachliches Holztragwerk
Der Baustoff Holz prägt die Atmosphäre der neuen Räumlichkeiten und der fast sechs Meter hohen, lichtdurchfluteten Halle. Von einer raumhohen Glasfassade umhüllt, stellt die Architektur einen engen Bezug zur Umgebung her. So fällt der Blick über den Beckenrand stets auf das Grün der ringsum wachsenden Bäume. In dieser Offenheit und Transparenz liegt wohl der markanteste Unterschied zu den Bäderbauten der Vergangenheit.

Große Fensterflächen bringen bekanntlich auch einen hohen Wärmeeintrag im Sommer mit sich. Um dem entgegenzuwirken, haben die Planer einen organischen Filter entworfen: „Vor der Holzfassade spannt bis unter das Dach eine begrünte Stahlkonstruktion, die sich nach oben horizontal verzweigt und die neue Trainingsschwimmhalle mit einem lichten grünen Schleier umgibt.“ Diese vertikale Begrünung trägt nicht nur zur ökologischen Vielfalt bei, sie bietet den Badegästen auch eine natürliche Beschattung.
Die von den Architekten als „sachliches Holztragwerk“ bezeichnete Konstruktion basiert auf schlanken Leimbindern, die auf einer umlaufenden Sitzbank ruhen. „Geometrisch abgestimmte Fliesenmuster in neutralem Weiß und Hellgrau erzeugen in Kombination mit hellen Holzoberflächen eine freundliche und sportive Atmosphäre“, beschreibt das Büro die Raumwirkung der Halle.
Holzbau macht Schule
Die Fachjury des wienwood 25-Preises, die das Projekt auszeichnete, sprach von einem „stimmigen Gesamteindruck“, den das Holztragwerk vermittle.

Im Urteil heißt es: „Diese Art der Transformation von bestehenden Schwimmbädern in Holzbauweise kann aus Sicht der Jury in der Stadt Wien weiter Schule machen.“ Neue Impulse wie diese sorgen in Österreichs traditionell bestehendem Ost-West-Gefälle in Sachen Holzbau langsam für einen Ausgleich.
Die Auszeichnung mit klima:aktiv Gold unterstreicht, dass die Trainingsschwimmhallen auch technisch auf höchstem Niveau agieren. Durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe und eine hocheffiziente Gebäudehülle konnte man der CO2-Fußabdruck niedrig halten.
Schwimmbäder sind weit mehr als reine Funktionsbauten. Die zahlreichen Freizeiteinrichtungen sind soziale Ankerpunkte in den Wiener Grätzln. Sie ermöglichen es Kindern, schwimmen zu lernen, und Vereinen, ihre Gemeinschaft zu pflegen. Mit dieser Art der verantwortungsvollen Architektur stellt die Stadt sicher, dass die ökologischen Kosten für den Badespaß nicht auf künftige Generationen abgewälzt werden.
Text: Gertraud Gerst
Fotos: Hertha Hurnaus
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